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Die Geschichte des Radios Hört! Hört! Das muss man sehen! Vor mehr als 100 Jahren (1887) wies Heinrich Hertz, damals Physikprofessor an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, elektromagnetische Schwingungen nach, die sich unsichtbar mit sehr großer Geschwindigkeit in der Luft ausbreiten. Damit setzte er einen Meilenstein. Ohne den seit den zwanziger Jahren der Rundfunk und seit den dreißiger Jahren das Fernsehen nicht denkbar wäre. Der Leipziger Altphilologe Johann Heinrich Winkler schlug schon 1744 vor, zur Übermittlung von Nachrichten die Elektrizität einzusetzen. James Clark Maxwell, ein schottischer Physiker, stellte 1865 die Theorie des elektromagnetischen Feldes auf und behauptete, elektromagnetische Wellen verbreiten sich wie Licht. Als 1879 die Berliner Akademie der Wissenschaften die Preisaufgabe stellte, die Maxwellsche Theorie experimentell nachzuweisen, beteiligte sich auch Heinrich Hertz an diesem Wettbewerb. Nach Vorversuchen im Jahr 1886 gelang Hertz 1887 der Nachweis, dass sich unsichtbare elektromagnetische Wellen wie sichtbares Licht ausbreiten. Entscheidend wurde aber seine Entdeckung, dass es auf die Häufigkeit der Schwingungen ankam, um deutlich magnetische Wirkungen zu erzielen. Nur wenige Monate trennten im Jahre 1896 die gelungenen Übertragungsversuche des Russen Aleksandre Stepanowitsch Popow sowie des Italieners Guglielmo Marconi voneinander. Am 12. März 1896 gelang Popow die Übertragung der Worte "Heinrich Hertz" über eine Entfernung von 250 m. Marconi überwand wenig später mit Hilfe seiner Apparaturen gar die Krümmung eines Hügels. Da die italienische Regierung aber kein Interesse an dessen Sende- und Empfangssystem zeigte, ging der Konstrukteur nach England und meldete seine Erfindung zum Patent an. 1898 stellte Marconi die erste funktelegraphische Verbindung zwischen England und Irland her. Im gleichen Jahr noch stattete er erstmals ein Schiff mit einem drahtlosen Telegraphen aus, der auch gleich anlässlich einer dramatischen Seenotrettung seine Feuerprobe bestand. Einer, der zu dem von Marconi zugelassenen kleinen Kreis von Beobachtern der Experimente gehörte, war der Deutsche Adolf Slaby. Der Professor an der Technischen Hochschule in Berlin hatte selbst seit einiger Zeit mit der drahtlosen Telegraphie experimentiert. Da er erfolglos blieb, stand er kurz vor Aufgabe seiner Versuche. Doch das, was er bei Marconi gesehen hatte, gab ihm Auftrieb. Slaby setzte zusammen mit seinem Assistenten Graf Georg Wilhelm von Arco seine Arbeiten fort. Noch im Herbst 1897 gelang den beiden Wissenschaftler die Herstellung mehrerer drahtloser Verbindungen, zuletzt über eine Entfernung von 21 km zwischen Schöneberg und Rangsdorf in der Nähe Berlins. 75 Jahre Rundfunk-Geschichte 1835 Michael Faradays (1791 - 1867) These, dass eine ruhende elektrische Ladung im sie umgebenden Raum ein elektrisches Feld erzeugt und eine fließende (bewegte) elektrische Ladung ein magnetisches Feld, beinhaltet die Grundlagen der elektrischen Nachrichtentechnik über Funk. 1865 James Clark Maxwell (1831 - 1879) sagt auf Grund seiner mathematischen Berechnungen die Existenz elektromagnetischer Wellen voraus, die er aber praktisch noch nicht nachweisen kann. 1874 Karl Ferdinand Braun (1850 - 1918) entdeckt den Gleichrichtereffekt von Sulfiden und entwickelt daraus den Kristalldetektor, der um die Jahrhundertwende als Gleichrichter für Hochfrequenzströme den Kohärer ablöst. 1879 Hermann von Helmholtz (1821 - 1894) regt seinen Schüler Heinrich Hertz (1857 - 1894) zu Untersuchungen zu den von Maxwell errechneten Theorien an. 1884 Paul Nipkow (1860 - 1940) meldet seine Theorie des "elektrischen Teleskops" als Patent an. Die Bildauflösung in einzelnen Punkten wird durch eine Scheibe mit spira1förmig um den Mittelpunkt angeordneten Löchern erreicht ("Nipkowscheibe"). 1886 Heinrich Hertz erkennt erstmalig eine Fernwirkung zweier räumlich getrennter Stromkreise, für die es nach herkömmlichen Theorien keine Erklärung gab. 1887 beschreibt Heinrich Hertz seine klassischen Versuche zum Nachweis elektromagnetischer Wellen und die Wesensgleichheit dieser mit dem Licht. 1890 Edouard Branly entwickelt den Kohärer (Fritter), eine mit Metallspänen gefüllte Glasröhre, die durch den Einfluss elektromagnetischer Felder ihre Leitfähigkeit ändern und so zum Nachweis derselben dienen kann. 1894 Guglielmo Marconi (1874 - 1937) und Alexander Stepanowitsch Popow (1879 - 1906) machen unabhängig von einander Versuche zur Verbesserung der Sende- und Empfangseinrichtungen. Popow entdeckt die Wirkung von "Antennendrähten". 1895 A. Popow führt in St. Petersburg seinen Gewittermelder vor. Dieses Gerät zeigt die Entladung eines Gewitters schon in weiter Feme durch ein Klingelzeichen an. 1896 G. Marconi meldet in England das erste Patent zur "drahtlosen Telegrafie" an. 1897 G. Marconi gelingt es, eine "drahtlose" Nachricht über eine Entfernung von 5 km zu übertragen. K. F. Braun entwickelt die "trägheitslose Kathodenstrahlröhre". Aus der Braunschen Röhre wurde die heutige Fernsehbildröhre entwickelt. 1898 Karl Ferdinand Braun entdeckt durch Trennung von Funkenkreis und Antennenkreis die Möglichkeit eine Frequenzabstimmung. 1906 Lee de Forest (1873 - 1961) und Robert von Lieben (1878 - 1913) stellen etwa gleichzeitig die Verstärkerwirkung von Glühkathodenröhren vor. De Forest die "Audionröhre", von Lieben sein "Kathodenstrahlrelais für Stromwellen bis zu den höchsten Frequenzen". Beides waren im Ursprung Vakuum-Trioden (Eingitter-Röhren) Auf der ersten Weltfunkkonferenz wird die Einführung des SOS-Notrufzeichens beschlossen. Max Diekmann (1882 - 1953), ein Schüler K. F. Braun, benutzt erstmalig die Braunsche Röhre als Bildschreiber. 1907 erfindet Lee de Forest das "Audion", eine der wichtigsten Demodulationsschaltungen der Frühzeit, bei der neben der HF-Gleichrichtung zugleich eine Verstärkung des gleichgerichteten Signals erfolgt. 1909 Radio Norddeich richtet einen Zeitungsdienst für die Seeschifffahrt ein. 1910 Siemens und AEG übernehmen die Lieben-Patente zur Fertigung der verbesserten Lieben-Röhre. 1911 Installation einer "Anlage für drahtlose Telegraphie" von der Firma Telefunken in der Seefahrtschule Bremen (1918 vom Soldatenrat beschlagnahmt, siehe auch "Funkerspuk"). 1912 Erste Weltfunkausstellung in London. Ein Funknotruf von der Titanic rettet 712 Menschenleben. 1913 Alexander Meißner (1883 - 1958) beschreibt die Erzeugung und Aussendung ungedampfter elektro-magnetischer Schwingungen mit seiner "Rückkopplung" (Induktive Rückkopplung). Sprechfunkverkehr von Nauen nach Berlin (46 km) gelingt mit der Lieben-Röhre. In den USA werden erste Musikübertragungen erprobt. 1914 Telefunken, Lorenz und Huth sind die größten Hersteller der deutschen Funkindustrie. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges gab es im wesentlichen drei Funkbereiche: 1. Militär (Heer und Marine) 2. Weltfunk- und Schiffsverkehr als öffentlicher Dienst 3. Kolonialfunkverkehr als amtlicher Dienst. Die Friedensstärke der Telegrafengruppe der deutschen Wehrmacht betrug 550. Offiziere und 5800 Mannschaftsdienstgrade. 1917 Hand Bredow (1879 - 1959), Direktor von Telefunken und Alexander Meißner übertragen Musik und Lesungen an die Westfront. 1918 Die Stärke der Telegrafentruppe betrug bei Kriegsende 4381 Offiziere und 185.000 Mannschaftsdienstgrade. Von Nauen aus konnte mit einer Sendeleistung von 400 Kilowatt bis nach Neuseeland gefunkt werden. Die Funkwellen hatten erstmals den ganzen Erdball umspannt. Am 9. November wird das Wolffsche Telegraphische Bureau in Berlin durch Soldaten der ehemaligen Funkertruppe besetzt, um politische Nachrichten zu verbreiten (Funkerspuk). 1919 das Reichspostministerium wird Zentralstelle für das gesamte Funkwesen. Hans Bredow wird zuständiger Ministerialdirektor. Dènes von Mihaly (1894 - 1960) kann in Ungarn Schattenbilder mit einem funktionsfähigen Fernsehgerät wiedergeben. 1920 Telegrafische Wirtschafts- und Börsenberichte werden regelmassig über Königs-Wusterhausen auf Welle 4000 m (Langwelle) gesendet. Auf Welle 3500 m, später auf 3700 m, werden regelmassig Versuchssendungen in Telephonie ausgestrahlt. Am 22.12. findet von hier die Übertragung des ersten Instrumentalkonzertes statt. 1921 Am 8. Juli erste Übertragung aus der Staatsoper Berlin: "Madame Butterfly". 1922 Die telegrafischen Wirtschafts- und Börsennachrichten auf Welle 4000 m werden auf Telephonie umgestellt. Diese Nachrichten durften nur mit von der Reichspost plombierten und verliehenen Einheitsempfängern abgehört werden. 1923 Im Juli wird ein Abkommen von der Reichspost und der Industrie geschlossen, dass die Industrie für Privatnutzer nur Empfangsgeräte für Mittelwelle (250 m - 700 m) ohne Rückkopplung herstellt. Am 29. Oktober erste öffentliche Rundfunksendung der "Radio-Stunde-AG" aus dem Vox-Haus in Berlin auf "Welle 400". Die Gebühr für Rundfunkempfang kostete damals 3,5 Billionen Mark. In den USA erfindet der emigrierte Russe Wladimir Kosma Zworykin (1889 - 1982) das Ikonoskop, das er als "elektronisches Fernsehen" patentieren läßt. 1924 Gründung der verschiedenen Sendeanstalten: 1. März Mitteldeutsche Rundfunk AG, Leipzig 18. März Umbenennung der Radio Stunde AG in Funk-Stunde-AG, Berlin 30. März Deutsche Stunde in Bayern GmbH, München 30. März Südwestdeutscher Rundfunkdienst AG, Frankfurt am Main 2. Mai Nordische Rundfunk AG, Hamburg 10. Mai Süddeutsche Rundfunk AG, Stuttgart 26. Mai Schlesische Funkstunde AG, Breslau 14. Juni Ostmarken Rundfunk AG, Königsberg 10. Oktober Westdeutsche Rundfunk AG, Köln. später Münster Frühjahr: Legalisierung des Empfängerbaus durch Privatpersonen. Einführung der "Audion Versuchserlaubnis". Gründung des Arbeiter-Radio-Bundes in Berlin (Verein, der seinen Mitgliedern Hilfe beim Bau eigener Geräte bot und zum Erlangen der Audion-Versuchserlaubnis technische Unterweisung gab). Einsetzen des Massensterbens von Firmen. die Rundfunkgeräte und -einzelteile bauten (bis 1926 ging die Zahl dieser Firmen von ursprünglich etwa 150 auf etwa 40 zurück). Ab 1. April wird die Rundfunkgebühr auf monatlich 2 Reichsmark festgesetzt. Beginn des sonntäglichen Hafenkonzertes aus Harnburg. Beginn der Presseschau-Sendungen und Informationen zu Tagespreisen der Berliner Zentralmarkthallen. Erste dokumentierte Sender-Störung: Während der Übertragung der Walküre am 13.01. tritt eine Überspannung im Hochspannungsschalter auf, die die Sendung unterbricht. 18. Januar die erste Übertragung aus dem Thalia-Theater in Berlin "Frascita" Franz Lehar dirigiert selbst. Werbung im Rundfunk durch die Deutsche Postreklame GmbH (10 -15 Minuten (!) pro Tag). Professor August Karolus (1893 - 1972) beginnt mit Fernsehversuchen an der Universität Leipzig, die als richtungsweisend anzusehen sind, 45 Zeilen pro Bild. Der Schotte John Logie Baird (1888 - 1946) zeigt erstmalig bei seinen Fernsehversuchen ein menschliches Gesicht auf dem Bildschirm. 1925 Ab 1. Januar Aufhebung der Beschränkung für Empfänger (Wellenbereiche, Rückkopplung, Stempelpflicht für Röhren und Geräte). 3. Januar erste Sendung von speziell für den Rundfunk bearbeiteter Dramen: "Wallensteins Lager" von F. v. Schiller. Einführung der Morgengymnastiksendung im Rundfunk. 15. Mai Gründung der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) als Dachorganisation für alle Sender. Am Jahresende sind 1 Million Rundfunkgenehmigungen vergeben. 1926 7. Januar Gründung des Zentralsenders "Deutsche Welle GmbH" in Berlin. 3. September Einweihung des Berliner Funkturmes. Die Loewe Mehrfachröhre, bei der 3 einzelne Röhrensysteme, einschließlich aller Koppelelemente einzelner Stufen in einem Glaskolben integriert waren, wird unter Mitwirkung Manfred von Ardennes (1907 - 1997) entwickelt. Das führt zum Bau des ersten deutschen "Radio-Millionärs": dem Gerät Loewe OE 333. 1928 Seit Januar sendet die Deutsche Welle politische Sendungen: "Gedanken zur Zeit". Die ersten batteriebetriebenen Kofferradios sind auf dem Markt: z. B. 5-Röhren-Kofferradio von Blaupunkt mit eingebautem Lautsprecher und eingebauten Batterien kostet 425,- RM und wiegt 15 (!) Kilogramm. Auf der 5. Deutschen Funkausstellung in Berlin wird erstmals öffentlich Fernsehen gezeigt: Telefunken-Karolus-Fernseher (96 Zeilen, etwa 10000 Bildpunkte, Bildgröße 8 cm x 10 cm). System von Mihaly (30 Zeilen, etwa 900 Bildpunkte, Bildgröße 4 cm x 4 cm). 1929 Die Deutsche Reichspost sendet auf Betreiben von H. Bredow regelmäßig Fernsehbilder. Gründung der Fernseh-AG. 1930 Manfred von Ardenne macht in seinem Labor in Berlin-Lichterfelde erstmals vollelektronische Bilder auf einer Braunschen Röhre sichtbar. 1931 Juni erstes Hafenkonzert aus Bremen. Am 01. Oktober sind über 3,5 Millionen Rundfunkgenehmigungen vergeben. 1932 Einführung der Wachsplatten in den Rundfunkanstalten, als Möglichkeit Wiederholungen zu senden. Das Kabinett Prinz von Papens macht den Rundfunk zum Staatsorgan. Die täglich gesendete "Stunde der Reichsregierung" wird zum Pflichtprogramm für alle Sender. 1933 30. Januar Übertragung einer Reportage vom Berliner Fackelzug anlässlich Adolf Hitlers Berufung zum Reichskanzler. 30. Juni Verordnung über die Aufgaben des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (Leiter Dr. Joseph Goebbels). Der Volksempfänger kommt im August zur Funkausstellung auf den Markt (VE 301, "politisches Gerät", Preis: 76,00 RM, "301" steht für 30. Januar Tag der "Machtübernahme"). Der Absatz ist so gut, dass der Preis bald auf 65.00 RM gesenkt wird. 1934 01. April Gleichschaltung des Rundfunks: Die elf bis dahin bestehenden selbständigen Rundfunkgesellschaften werden aufgelöst und als Zweigstellen der Reichsrundfunkgesellschaft (RRG), als sogenannte Reichssender, weitergeführt.Die Wachsplatten, qualitativ höherwertig, werden durch sogenannte Schallfolien aus Kunststoff, die leichter zu handhaben sind, ersetzt. AEG und BASF entwickeln das Magnetbandgerät mit einem magnetisierbaren Kunststoffband. 1935 Der "Deutsche-Arbeitsfront-Empfänger" (DAF 1011) wird für Gemeinschaftsräume entwickelt. Er soll den Gemeinschaftsempfang in den Fabriken ermöglichen (Propagandareden!). Auch hier hat die Zahl 1011 wieder historische Bedeutung: Am 10.11.1933 sprach A. Hitler in den Berliner Siemens-Werken zu den Arbeitern. Diese Rede wurde im Rundfunk übertragen und war der erste offiziell angeordnete "Gemeinschaftsempfang des deutschen Volkes". In Amerika wird von Howard Armstrong erstmalig Frequenzmodulation vorgeführt. 1936 Anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin kommt der "Deutsche Olympia-Koffer" auf den Markt (DOK 1936, Preis 156,00 RM). Um die Fernsehübertragungen für die vielen Zuschauer zu ermöglichen, richtet die Deutsche Reichspost öffentliche Fernsehstuben ein. 1937 Entwicklung der ersten "Empfangsautomaten" mit Stationstasten zum einprogrammieren der bevorzugten Sender: Durch mechanische Abstimmung z. B. beim Philips "Aachen D 58 AU" oder durch elektrische Abstimmung durch verschiedene Oszillatorspulen z. B. beim Telefunken "D 860 WK" (dieser stammt aus dem Jahrgang 1939). 1938 Der "Deutsche Klein-Empfänger" (DKE 1938) kommt zum Preis von 35,00 RM auf den Markt. Er wird als "Goebbels-Schnauze" bekannt. Die Stahlröhren kommen auf den Markt. Die Typen dieser 11er Serie werden auch als "Harmonische Röhren" wegen ihrer aufeinander abgestimmten Betriebsdaten bezeichnet. ln Deutschland gibt es 28 Radiofirmen. Es sind mittlerweile 9 Millionen Rundfunkgenehmigungen vergeben (Etwa 2,5 Millionen Volks-Empfanger wurden bereits verkauft). 1939 Der Einheits-Fernseh-Empfänger (EI) wird auf der Funkausstellung zum Preis von 650,00 RM vorgestellt. In dieser Entwicklung werden erstmalig die im Zeilentransformator während des Zeilenrücklaufes entstehenden Spannungsspitzen zur Erzeugung der Hochspannung für die Bildröhre ausgenutzt. Dadurch entfällt das sperrige und teure Hochspannungsgerät. Außerdem wurde eine neuentwickelte raumsparende Bildschreibröhre geringer Baulänge (39 cm) mit viereckigem, flachen Bildschirm eingesetzt. 7. September Gesetz über das Abhörverbot von "Feindsendern" (Reichsgesetzblatt Nr.: 169 vom 7. September 1939). 1. Oktober jeweils sonntags von 16.00 bis 20.00 Uhr wird im Haus des Rundfunks in Berlin das "Wunschkonzert für die Wehrmacht" vom Deutschlandsender produziert. Diese Sendungen liefen regelmäßig bis zum 25 Mai 1941! 1940 Einheitsprogramm auf allen deutschen Sendern. In Amerika werden die ersten "Nurglasröhren" gebaut. Sie wurden nach dem Krieg als Miniaturröhren auch in Deutschland produziert. 1941 Erste Vollstreckung eines Todesurteils wegen Abhörens und Verbreitens ausländischer Nachrichten. Während des Krieges ruht die Entwicklung von Empfängern für den öffentlichen Rundfunk. Verstärkt werden aber Wehrmachtsgeräte für Dezimeterwellen und Radartechnik entwickelt. 1945 Gegen Kriegsende ist nur noch der Reichssender Harnburg mit dem Nebensender Flensburg betriebsbereit. Vom Nebensender Flensburg kam dann am 8. Mai auch die Nachricht der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Die Alliierten richten in ihren Besatzungszonen deutschsprachige Sender unter alliierter Kontrolle ein: Am 4. Mai die Engländer eine Rundfunkanstalt in Harnburg (wurde am 22.9.1945 zum NWDR) mit den zusätzlichen Funkhäusern in Köln, Hannover und Berlin, am 13. Mai die Russen den Berliner Rundfunk (im alten Haus des Rundfunks), die Amerikaner mehrere selbständige Sendeanstalten: 12.05. in München, 1.06. in Frankfurt, 03.06. in Stuttgart und 23.12. in Bremen und Bremerhaven. 1946 7. Februar. Die Amerikaner benutzen in Berlin mangels eines eigenen Senders das zur Durchgabe von Luftlagemeldungen im Krieg aufgebaute Drahtfunknetz zur Nachrichtenübertragung (DIAS für Drahtfunk im amerikanischen Sektor). Nach Einrichtung eines Senders entstand daraus RlAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor). 31. März. Die französische Militärregierung benennt ihre in Baden-Baden im Hotel "Kaiserin Elisabeth", eingerichtete Rundfunkanstalt für die französische Besatzungszone "Süd-West-funk" (SWF). Max Grundig vertreibt seinen "Heinzelmann" als bezugsscheinfreien Bausatz (noch unter der Firmierung "Radio-Vertrieb-Fürth", RVF). Telefunken, Blaupunkt, Siemens, Lorenz und Schaub bauen erste Geräteserien mit Restbeständen aus Wehrmachtsfunkgeräten, zumeist Einkreiser (verwendete Röhren waren hauptsächlich die RV 12 P 2000). Bei der Schallplattenproduktion wird das Magnettonbandgerät als Zwischenträger für Plattenaufnahmen eingesetzt. 1948 Übergabe der Sendeleitung in deutsche Hand, allerdings weiter unter Kontrolle der jeweiligen Militärregierung: 01.01. NWDR in Hamburg, 10.08. Bayerischer Rundfunk in München, 30.10. Süd-West-Funk in Baden Baden. Auf Grund von Landesgesetzen oder durch Verordnung der entsprechenden Militärregierung wurden so aus den bisherigen Militärsendern Landessender als "Anstalten Öffentlichen Rechtes". Die Amerikaner Bardeen, Brattain und Shockley entwickeln aus der Kristall-Diode die Kristall-Triode. Das zuerst verwendete Halbleitermaterial war Germanium, später ging man wegen der höheren Temperaturabhängigkeit des Germaniums zum besser zu handhabenden Silizium über. Dr. Peter Goldmark entwickelte in den USA die Kunststofflangspielplatte mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minute. Im Sommer: Lang- und Mittelwellenkonferenz in Kopenhagen ohne deutsche Beteiligung. Hier wurden die früheren deutschen Frequenzen mit günstigen Ausbreitungsbedingungen anderen Ländern zugeteilt. Für Deutschland blieben nach dem Kopenhagener Wellenplan nur sieben Frequenzen, die zur flächendeckenden Versorgung nicht ausreichten. 20. Juni. Die Währungsreform bringt den Neuanfang der Geräteproduktion. Ende des Jahres sind es bereits wieder 7 Millionen zahlende Rundfunkteilnehmer. 1949 Übergabe der Sendeleitung in deutsche Hand der folgenden Militärsender, die damit ebenfalls "Anstalten Öffentlichen Rechts" werden: 28.01. Hessischer Rundfunk in Frankfurt, 05.04. Radio Bremen, 22.07. Süddeutscher Rundfunk Stuttgart. Ausweichen auf höhere Frequenzen, da die zugewiesenen Mittelwellenfrequenzen kein ausreichende Versorgung gewährleisten. Damit wurde der UKW-Rundfunk mit der neuen Modulationsart Frequenzmodulation (FM) eingeführt. Am 28. Februar wird der erste UKW-Sender vom Bayerischen Rundfunk in München in Betrieb genommen. 1. März folgt der NWDR in Hannover. In rascher Folge wird das Sendernetz ausgebaut, da die "Welle der Freude" nur geringe Reichweite hat. Um mit älteren Geräten UKW hören zu können, kommen günstige Vorsatzgeräte auf den Markt (einfache UKW-Pendel-Rückkopplungs-Audions, die leicht zu Störsendern werden konnten und daher bald den Superhet-Vorsatzteilen weichen mussten). 1950 Juni: Bildung der "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland" (ARD). Die Rundfunkgeräte der neuen Saison haben bereits integrierte UKW-Teile, die besseren Typen in Superhet-Schaltung, die einfachen noch mit "Pendlern" (siehe 1949). Die ersten Rundfunkgeräte der neuen Saison haben die neuen Allglasröhren der Rimlock-Serie (4Oer Serie). Der Tefi Schallbandspieler B 51 kommt auf den Markt, ein Wiedergabegerät für Schallbänder mit einer (!) Stunde Spieldauer. 1951 Die Kunststofflangspielplatte mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minute kommt in Deutschland auf den Markt -und damit werden neue Plattenspieler und Abtastsysteme notwendig (Mikrosaphir in Kristall-Systemen. bzw. .umschaltbare Systeme mit Normal- und Mikrosaphir). 1952 25. Dezember Premiere des Nachkriegsfernsehens (Neue Norm: 625 Zeilen. 25 Bildwechsel in 50 Halbbildern pro Sekunde). 1953 Im Mai wird von der ARD ein Kurzwellensendedienst, die "Deutsche Welle (DW)" gegründet, der vom NWDR Köln betrieben wird und täglich 15 Stunden Programm abstrahlt. Die sogenannte Single-Platte (17 cm Durchmesser, 45 Umdrehungen pro Minute, abzutasten mit Mikrosaphir) kommt auf den Markt. Dieser Plattentyp wurde ursprünglich für Musikautomaten entwickelt, verdrängt aber zunehmend die alte 78er-Platte. Zur Frühjahrsmesse wird im Hochhaus auf dem Leipziger Karl-Max-Platz ein Fernsehsender eingeweiht. Damit beginnt der flächendeckende Ausbau des UKW-Sendenetzes in der DDR. 1954 01. Juni Start des Senders Freies Berlin (SFB) als 7. ARD-Sender (löst NWDR Berlin ab). In Amerika wird das NTSC Farbfernsehsystem eingeführt. 1955 Zum 10. Jahrestag der Deutschen Post nimmt der Sender Inselsberg seinen Betrieb auf. 1956 In Deutschland kommen die ersten Volltransistorgeräte auf den Markt (z.B. TRI von Telefunken). Da die verwendeten Transistoren noch nicht für hohe Frequenzen geeignet waren, wurden in den Koffergeräten häufig in den Hochfrequenzstufen Elektronenröhren benutzt (z.B. Grundig Boy T und L). Teilung des NWDR in zwei selbständige Sendeanstalten: NDR in Hamburg und WDR in K()1n. 1957 Der erste fahrbare Sender der DDR mit 5 kW wird in der thüringischen Rundfunksendestelle Wachenbrunn in Betrieb genommen. Damit wurde bis 1977 das Programm des Berliner Rundfunks ausgestrahlt. Gründung des Warenzeichenverbandes RFT. 1958 Nordmende stellt seinen ersten volltransistorisierten Kofferempfänger Mambo vor: Mittel- und Langwelle, Stromversorgung über zwei Taschenlampen-Flachbatterien. 1959 Der Saarländische Rundfunk tritt als neunter Sender der ARD bei (er war 1956 als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt gegründet worden). Am 7. Oktober wird in Wachenbrunn in Thüringen ein 250 kW Sender für den Deutschlandsender in Betrieb genommen. Dieser war bis Ende 1993 aktiv. 1960 Die Funkindustrie produziert 3,7 Millionen (!) Radiogeräte. Es gibt 15,9 Millionen Rundfunkgenehmigungen. Mit 3,375 Millionen Fernsehlizenzen beginnt das Fernsehen ernster Konkurrent für den Rundfunk zu werden. Ab dem 21. Februar flimmert der Schwarze Kanal über die Bildschirme in der DDR Kar1 Eduard von Schnitzler stellt erst 1990 seine Dreckschleuder gegen den westdeutschen Imperialismus ein. Zum Jahresende wird der 1.000.000ste Fernsehteilnehmer in der DDR gezählt. 1962 01. Januar Programmstart des "Deutschlandfunks". Ein Sender, der als überregionaler Informationssender hauptsächlich Nachrichten, Interviews und Reportagen, sowie Kommentare zur Politik in täglich 24 stunden Programm ausstrahlt. Im Juni treten die Deutsche Welle (DW) und der Deutschlandfunk (DLF) der ARD bei, diese besteht somit aus elf ordentlichen Mitgliedern und dem beratenden Mitglied RIAS Berlin (ohne Stimmrecht). 1963 Prof. Walter Bruch stellt der europäischen Fernsehkommission sein bei Telefunken entwickeltes PAL- Farbfernsehsystem vor. 01. April. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit Sitz in Mainz als gemeinnützige Anstalt öffentlichen Rechts geht in Betrieb. 30. August. Mit der Eröffnung der Funkausstellung führt der SFB die Rundfunkstereophonie ein. Damit boomt die Industrie erneut {Stichwort: Stereo-Decoder). 1965 6. April. Der erste kommerziell genutzte Nachrichtensatellit "Early Bird" wird von Kap Kennedy in den Weltraum geschossen {Gewicht: ca. 40 kg). 1967 Auf der Hannover-Messe werden erstmals integrierte Operationsverstärker vorgestellt. damit werden neben integrierten Digital- auch integrierte Analogschaltungen für Radio- und Elektronikanwendungen angeboten. Mit der Funkausstellung beginnt in der Bundesrepublik das "farbige" Zeitalter. Hier wird das PAL-System benutzt, wohingegen in der DDR etwas später das auch in Frankreich verwendete SECAM-System eingeführt wird. 1972 Der Videorecorder fürs Heim beginnt seinen Siegeszug. Das erste System mit Kompakt-Kassetten ist das VCR-System mit übereinander angeordneten Spulen. Die Spieldauer betrug; 45 Minuten pro Band. 1973 RIAS führt die kopfbezogene Stereophonie (Kunstkopf-Technik) ein. 1975 Die Elektronenröhre wird langsam vom Transistor verdrängt. die letzten Hochspannungsröhren in Fernsehgeräten werden durch leistungsfähige spannungsfeste Silizium-Halbleiter ersetzt. (Neuerdings werden von HiFi-Fans jedoch wieder "Röhrenverstärker" favorisiert). 1977 Ab 10. Januar erste Satellitenkonferenz in Genf, legt für 112 antragstellende Länder die geostationären Orbitpositionen fest. Diese Festlegung tritt am 01.01.1979 in Kraft und gilt für vorerst 15 Jahre. Die Entwicklung der Videorecorder führt nach der Entwicklung Betamax zum neuen VHS-System, welches heute als Marktführer, ja fast Monopol anzusehen ist. Hier liegen die Spulen in der Kassette nebeneinander wie bei den Tonkassetten. 1980 Deutsch-Französisches Abkommen über gemeinsame Satellitenerprobung. Telefunken stellt das High-Com Rauschunterdrückungssystem als Verbesserung des bis dahin üblichen Dolby-Systems vor. 1982 Bei Polygram in Hannover wird die Compakt-Disc (CD) vorgestellt, ein mit Laser abgetastetes digitales Phonoabspielsystem. 1984 Postminister Schwarz-Schilling setzt den Schwerpunkt der Programmverteilung auf Kabelfernsehen und lässt 4 Pilotprojekte in Ludwigshafen. München. Dortmund und Berlin als Modellversuch für Komplettverkabelung ausschreiben. Hierbei werden neben den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehprogrammen erstmals auch Programme privater Anbieter eingespeist. 1985 Im Sommer explodiert die Trägerrakete für TV SAT 1 beim Start. Der Nachfolgetermin wird mehrfach verschoben. Erneute Konferenz über Satelliten-Orbitpositionen. 1987 Die Video-CD wird vorgestellt. Die Satellitenprogramme können über Parabolspiegel empfangen werden. Zur Nutzung des Fernsehgerätes für Satellitenprogramme sind jedoch spezielle Decoder notwendig. Die integrierten Schaltungen in Analog- und Digitaltechnik lassen immer mehr "Fernbedienungs Komfort" zu. Die Empfangsgeräte werden in der Bedienung zwar einfacher, aber in der für die Automatik verständlichen Programmierung immer komplizierter. Die gute alte Mittelwelle mit ihrer Amplitudenmodulation (AM) wird kaum noch gehört. nur basteibegeisterte, noch nicht vom Computerbazillus infizierte Amateure lauschen noch dem Ortssender mit Eigenbaudetektoren (UKW-Detektoren sind nicht so einfach zu handhaben!). 1993 "Die kleine schwarze Single stirbt langsam vor sich hin", so eine Überschrift aus der Presse. Die CD verdrängt endgültig die Schallplatten vom Markt, die schwarzen Scheiben werden auf Flohmärkte abgeschoben (und erzielen hier zum Teil im Handel nie verlangte Spitzenpreise!). 1995 Die Erprobung des digitalen Fernsehens tritt in die Endphase. Im Mittelwellenbereich werden erste Planungen für einen digitalisierten Rundfunk angesprochen (Die Industrie in Fernost wird sich über neue Umsatzsteigerungen freuen!). 1998 All diese technischen Entwicklungen im Bereich des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens liefen über einen Zeitraum von nur 75 Jahren und ein Ende ist naturgemäß nicht abzusehen. Die Geschichte dieser Technik wird seit etwa 20 Jahren in mehreren kleinen und großen Rundfunkmuseen vorgestellt. Das Bremer Rundfunkmuseum gehört seit 1978 dazu! |